Preisträgerfilme 2022

Angsthase

12 Min., Drama, Thriller

Ein Film von Ben Moore, Sebastian Spitzeck, Maximilian Soltau und Leif Smidt

Auch jüngere Brüder haben es manchmal schwer. Denn oft bekommen ältere Geschwister scheinbar den Vorzug und dürfen mehr – und so verkörpern sie für die jüngeren Geschwister das Unerreichbare. Auch Sven will so cool sein wie sein großer Bruder Jens. Schließlich darf der alles, auch und vor allem mit einer Pistole schießen. Für Jens bleibt aber Sven immer nur der jüngere Bruder, oder genauer gesagt: das kleine Kind, dessen einziger Freund ein Kaninchen ist.
Als sich für Sven plötzlich eine Möglichkeit ergibt, ergreift er die Chance, um sich endlich mal seinem Bruder zu beweisen und akzeptiert zu werden.

Jury-Begründung von Jasmin Böschen (Kunstpädagogin), Anna Grabo (freischaffende Filmemacherin und Co-Kuratorin der Ausstellung »CLOSE-UP Hamburger Film- und Kinogeschichten« am Altonaer Museum), Ali Hakim (Regisseur und Drehbuchautor) und Michael Spangenberg (Journalist, Filmkritiker und Chefredakteur von »nochnfilm«):

Bei einem Film waren wir uns von Beginn an einig. Er überzeugt in seiner originellen und durchdachten Bildsprache, die die Handlung wunderbar unterstützt. Der Film kann die Spannung halten und glänzt mit unerwarteten Wendungen. Eine Gruppe von Freunden, bei dem die Schule nur den Startschuss gegeben hat, tut sich zusammen und dreht in ihrer Freizeit einen Film. Von Anfang bis Ende zeigt sich, wie dieser Film mit Leidenschaft für das Filmemachen aufgeladen ist. Es ist ein Film über Verantwortung. Es ist ein Film von ungeahnter Tiefe. Es ist eine psychologische Geschichte über die Beziehung zweier Brüder, die dramaturgisch und schauspielerisch auf hohem Niveau überzeugen konnte. Wir sind sicher, mit dem Team von Angsthase tollen Filmnachwuchs gefunden zu haben.


 

about:borders 2020

16 Min., Dokumentarfilm

Ein Film von Sophia Leitenmayer, Nils Schellwald, Niklas Hirschfeld, Raimund Mess und Jan Möller, t3transporteur:innen

Ende Juli 2020 transportierten die t3transporteur:innen mit einem alten T3 Bulli ein RHIB (Festrumpfschlauchboot) und einen Baum von Köln nach Lesbos, um dadurch die Menschenrechtsbeobachtungen des Vereins Mare Liberum und die Sicherheit der Crew auf dem Schiff in der Ägäis zu unterstützen. Neben dem Transport dokumentierten sie auch ihre Reise nach und auf Lesbos und wollten der Frage nachgehen, was vernetzter transnationaler Aktivismus während einer globalen Pandemie bedeutet. Aktivist*innen erzählen ihre Perspektiven von Grenzen, mit denen sie in ihren jeweiligen Handlungsräumen konfrontiert sind und ihrem Umgang damit.

Jury-Begründung von Jasmin Böschen, Anna Grabo, Ali Hakim und Michael Spangenberg:

Die Dokumentation einer konkreten Aktion – die selbst zu einem Dokument wird – über Grenzen und wer sich wie in diesen bewegen kann. In nur wenigen Einstellungen, ergänzt durch eine vielstimmige Soundebene, schafft es der Film, die gesellschaftlichen Widersprüche in ein Filmformat zu bringen. Die Kamera begleitet ein Schlauchboot durch eine idyllische Landschaft, die sich urlaubsähnlich vor den Augen entfaltet. Ein Schlauchboot, das über seine Funktion hinaus zu einem Bild für Rettung und Tod geworden ist. Entgegengesetzter könnte es nicht sein. Aber der Film bleibt nicht stehen, sondern thematisiert Handlungsspielräume und die eigene Verantwortung darin. Die Dokumentation ist selbst das Ergebnis dafür. Ende Juli 2020 reisten Aktivitst*innen von Köln nach Lesbos, um hier vor Ort Menschenrechtsbeobachtung umzusetzen. Somit wird der Film about:borders 2020 selbst zu einer Aktion auf der Leinwand.


 

Is water safer than land – A Covid story 

2 Min., Animation – Dokumentation

Ein Film von Aryan Ashori, mit Unterstützung von Films For All

Diese Dokumentation zeigt die täglichen Herausforderungen, mit denen Menschen, die in Flüchtlingszentren leben, während der vorherrschenden Pandemie umgehen müssen.

Jury-Begründung von Jasmin Böschen, Anna Grabo, Ali Hakim und Michael Spangenberg:

Unter den gezeigten Filmen gab es das Werk einer jungen Filmschaffenden zu sehen, das uns nachhaltig beeindruckt hat. Die Vermischung von Animation und realen Bildelementen in Is water safer than land – A Covid story ist nicht nur formal begründet, sondern auch inhaltlich und politisch. Eine selbstbewusste junge Frau, die erkannt hat, wie sie das Medium Film dazu nutzen kann, unsere Welt ein kleines Stück besser zu machen. Wir freuen uns darauf, in Zukunft noch viel mehr von ihr zu hören und zu sehen.


 

David und Goliath

0:35 Min., Trickfilm/Animation

Ein Film von Victoria Beyer, Gymnasium Allermöhe

Im ungleichen Kampf „David gegen Goliath“ treten eine Schere und ein Wollknäuel gegeneinander an.

Jury-Begründung von Jasmin Böschen, Anna Grabo, Ali Hakim und Michael Spangenberg:

Seit Beginn des Festivals hat es ein Film geschafft, uns in Diskussionen zu verwickeln. Mit nur 35 Sekunden ist es der kürzeste Film des Festivals. Schon die Entstehungsbedingungen sind ein bisschen ungewöhnlich: Ein Mädchen aus Allermöhe filmt während der Schulschließungen mit ihrem Handy alleine in ihrem Zimmer. Sie schafft es in 35 Sekunden, alles zu komprimieren, was ein Film braucht. Angefangen mit einem Materialexperiment zwischen dem Weichen, Sanften, Bieg- und vermeintlich Beugsamen und dem Harten, Scharfen vermeintlich Überstarken, lässt der kurze Film heute auch über größere Fragen nachdenken: David und Goliath erzählt, was passieren kann, wenn sich das oder die vermeintlich Schwächere(n) gegen das oder die Stärkere(n) aufbäumt. 


 

BA HAM – together

29 Min., Drama

Der Publikumspreis ging in diesem Jahr an BA HAM – together.

Ein Film von Shahab Habibi, Maurice Sinner, Felix Klett, Leon Daniel, Angela Tippel und Payam Azadi, HMS

Der politische Flüchtling Pouya weiß nie, wer Feind und wer Freund ist. Doch als sich die politische Lage in seiner Heimat zuspitzt, muss er ein Risiko eingehen und bereit sein zu vertrauen, um seine Frau Nikta endlich in Sicherheit zu bringen.


 

Begegnungen

5 Min., Animation

Außerdem erhielt der Film Begegnungen von Marc, Robin, Hannes, Günes, Irem, Cejda und Levin (Elbstation Akademie) von der Jury eine lobenede Erwähnung und wurde gemeinsam mit den anderen Siegerfilmen im Anschluss an die Preisverleihung ein weiteres Mal in den zeise kinos aufgeführt.

Jury-Begründung von Jasmin Böschen, Anna Grabo, Ali Hakim und Michael Spangenberg:

„Geile Sachen entstehen oft aus der Not heraus.“ (Ali, Juror 2022) 

Der Film führt auf sehr originelle Weise vor, wie man mit den Hürden, die Corona dem Filmemachen in Gemeinschaft auferlegt hat, auf produktive Weise umgehen kann. Die Sehnsucht nach dem Sich-Kennenlernen zwischen Jugendlichen, dem Sich-Näher-Kommen, konnte so erst in der Nachbearbeitung des Films entstehen. Denn die Gruppe musste alles von zuhause aus machen, hat sich über Zoom getroffen, um Texte einzusprechen, um Voice Messages und Fotos zu verschicken. Die Herangehensweise und Originalität in der Umsetzung hat uns sehr beeindruckt, und daher möchten wir als Jury eine besondere Erwähnung für diesen Film aussprechen, um auch diesen Film noch einmal einem größeren Publikum zu präsentieren, da er als Beispiel dienen kann. Hoffentlich bleibt der Film Begegnungen nicht euer letzter Film.